Tapscott: Wikinomics

Don Tapscott glt als Vordenker der digitalen Wirtschaft und Change-Management-Spezialist. In einem aktuellen Interview in Brand Eins führt er die Kennzeichen der entstehenden neuen ökonomischen Weltordnung aus: den Wikinomics.

An dieser Stelle bemühe ich mich um einen möglichst kurzen Überblick seiner Aussagen:

Verschiedene kollektive Intelligenzen lassen in verschiedenen Bereichen Neues entstehen – jenseits der traditionellen Grenzen von Organisationen und Hierarchien. Dadurch verändert sich die Wirtschaft grundlegend – “weg von der rationalen, gewinnorientierten kapitalistischen Struktur”.

Wikinomics – als neue Form der Selbstorganisation – lösen herkömmliche Unternehmensstrukturen als primäre Triebkraft der Wertschöpfung ab. Dabei steht diese neue Wirtschaftordnung auf 4 Säulen:

1. Peering (als freiwilliger Zusammenschluss Einzelner)

Was früher hinter den Mauern eines Unternehmens stattfinden musste, kann heute in allen möglichen Peering-Geschäftsmodellen passieren. Das wirbelt die ganze Volkswirtschaft durcheinander.

2. Offenheit

Wenn Firmen sich mehr denn je öffnen und transparenter werden, dann zwingt sie das, bessere Unternehmen zu werden. Damit meine ich nicht nur ihr Verhalten als sozial verantwortliche Aktuere, sondern den Prozess der Wertschöpfung.

3. Kultur des Teilens

Ich spreche vom gezielten Teilen von Informationen und Ressourcen, um seine Konkurrenz zu killen, um schneller zu wachsen als die anderen und profitabler zu sein.

4. Lokal denken, global handeln

(…), denn eine wirklich globale Firma besitzt keine physischen oder regionalen Abgrenzungen mehr, sondern hat ein Ökosystem, in dem Produkte erdumspannend entworfen, zugeliefert und vertrieben werden.

Mit anderen Worten:
Soziale Netze entwickeln sich zu neuen Formen der Produktion und des Vertriebs.

Schlüssel zum Erfolg:
Umdenken, was in Zukunft überhaupt ein Produkt ist.

Da die Konsumgüter fast alle austauschbar werden, muss man seine Unternehmensplattform zu einem Produkt machen.

Sogenannte “Prosumenten” stellen Teile oder sogar das ganze Produkt selbst her. Die zentrale Frage für Unternehmen lautet daher:

Wie können wir unsere Güter und Dienstleistungen gemeinsam mit den Kunden weiterentwickeln und so Kosten und Zeit sparen.

Und während sich ältere Generationen mit dieser Anforderung sehr schwer tun, fordert die Net Generation genau diese Variabilität und Flexibilität.

Denn:

Das Web ist von einer Präsentations-Plattform zu einem gigantischen, von jedermann reprogrammierbaren Computer geworden.

Entsprechend verändern sich die Geschäftsmodelle, die sich in millionenfacher Ausgestaltung den Nutzern andienen, um Anreize zu schaffen, aktiv mitzuwirken.
Allerdings nicht in hierarchisch angelegten Businessmodellen, denn :

Wenn jeder eine Autorität in einem bestimmten Gebiet ist, können wir flexible Teams bilden, die Probleme lösen, statt auf einen Boss zu hören, der angeblich alles weiß. (…) Für die Net-Generation steht Verdienst an vierter Stelle, davor rangieren die Wünsche, neue Dinge zu lernen, Spaß zu haben und etwas Bedeutungsvolles zu tun.

Loyalität entsteht dabei nicht zu einem Unternehmen, sondern gegenüber dem produzierten Inhalt und den internen wie externen Teamkolleg/innen.

Und endet schließlich mit dem Statement:

In Amerika hat die Internet-Generation bereits einen großen Einfluss, sie ist die treibende Kraft für soziale Netze und neue Formen der Zusammenarbeit – udn somit für Innovation und Wachstum. (…) Europa würde allerdings einen hohen Preis zahlen, wenn die Alten den Fuß auf der Innovationsbremse haben.

So, und da ich mich nicht als Ruferin einer wachstumsorientierten Weltwirtschaft verstehe denn eher als kleine Anwältin für emanzipatorische Prozesse, lasse ich das Statement so stehen und sehe in all diesen Entwicklungen viel Potenzial für wahrhaftige Gleichberechtigung aller Menschen. Insofern wünsche auch ich mir mehr Innovationsfreude ;-)

powered by performancing firefox

Popularity: 14% [?]


Tags: | | |

About the Author

acw

acw

3 Antworten to “Tapscott: Wikinomics”

  1. [...] Don Tapscott stellte im Februar 2007 im AtGoogleTalk sein Buch “Wikinomics: How Mass Collaboration Changes Everything” vor: via edu.blog Meine Zusammenfassung seines Brand Eins-Interviews findet sich hier. [...]

  2. [...] Auf die interessanten Keynotes über die Zukunft des Firefox-Browsers und Tapcott’s Enterprise 2.0 verzichte ich heute – da empfehle ich die Ansicht dieser Firefox-Präsentation bzw. meine Ausführungen zu Tapscott’s Wikinomics. [...]

  3. [...] einem Jahr hatte ich bereits 2 Beiträge zu Tapscott’s Wikinomics-Überlegungen gepostet (hier und hier). Nun aber, zum Abschluß des Business 2.0-Seminars an der FHTW Berlin, möchte auch ich [...]

Kommentieren Sie doch ;-)

Sie können diese XHTML Tags nutzen.: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <blockquote cite=""> <code> <em> <strong>