NetPeople (und andere)
In Spiegel Online eine Zusammenfassung der Milieustudie des Heidelberger Sinus-Sociovisions-Instituts gelesen. Dort wird – zunächst wenig überraschend – die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen in unserer Gesellschaft konstatiert.
Was mich beim Betrachten der visualisierten Milieustruktur nachdenklich stimmt:
Wir sinnieren hier, wie modernes, ansprechendes und menschengerechtes Lehren/Lernen möglich werden kann – derweil reflektieren wir nur über den Zugang zu einem Bruchteil der (bundesdeutschen) Gesellschaft.

Grafik von acw modifiziert – hier das Original
Aber was machen wir mit dem Rest? Warten wir, bis sie eigenständig den (aktiven) Anschluss an die vernetzte Welt gefunden haben? Oder wie ebnen wir ihnen den Weg?
Und wir müssen sie erreichen, denn letztlich sitzen diese Non-NetPeople an den Schalthebeln unserer heutigen Bildungsgesellschaft …
Popularity: 12% [?]
Tags: milieu | netpeople | research
Verwandte Artikel:


danke für grafik!
wg. digitalem lernen in einer nicht-digitalen mainstream-kultur hat gabi reinmann vor kurzem im denkarium-blog ungefähr dasselbe gefragt. wahr ist: der Digital Divide ist schwindelerregend. in unis, in zeitungen, in der politik.
ich würde sagen: die leute, die nicht digital denken/leben/arbeiten sind mittelfristig verlorene. ändern kann man das nur mit verbreitung von hardware: use this tool, your mind will follow.
was auch heißt, dass die unis unreformierbar sind, in deutschland noch mehr als anderswo. (dazu manifest von stephen heppell hier.) modernisierungsverlierer, intellektuell gesehen. (nicht aber das unterschicht-prekariat, das wohl das mobile web erobern wird.)
und deutschland, weil es insgesamt mit digitaler kultur nicht zurechtkommt, wird genau das schicksal erleiden, dass heppell für das alte UK im 20. jahrhundert beschreibt.
@Martin: Ob dem wirklich so ist? Ich meine jetzt
Diesen Ansatz vertritt ja auch das OLPC-Projekt mit Negroponte als Gallionsfigur. Was mich etwas nachdenklich macht ist, dass Negroponte offen von einem “Trojan Horse Approach” redet, wenn er seinen “Armut bekämpfen mit bildung; Bildung schaffen durch durch Computer” -Ansatz überall medienwirksam vorstellt.
Ich fragemich, was hat die armen Menschen oder auch Milieus meinetwegen (falls das nicht markenrechtlich geschützt ist) in die Armit gebracht? Ein unbemerkt gebliebener Bildungsabbau über all die Jahre etwa? Was ist denn die Ursache von der Existenz dieser Armut?
Bildungsarmut definieren diese sozialen Milieus unterschiedlich: während die einen den Verfall der ( z.B. deutschen) Sprache beklagen, fordern andere eine Erweiterung des Alphabetisierungsbegriffs (Lesen – Schreiben – Medienkompetenz – eCompetence).
Wenn ich mir die aktuelle “Web 2.0″-Studie von result: anschaue, dann wird das Problem offenkundig. Nur 12% (!) der bundesdeutschen Gesamtbevölkerung nutzt Web 2.0-Technologien mindestens einmal pro Woche. Und davon beteiligen sich wiederum nur 57% aktiv an der Wertschöpfung (bezeichnenderweise führend in der Aktivitätenliste die (One-way-)Videocommunities – als primäre Spielfläche der intellektuell weniger Engagierten – gleichauf mit kollaborativeren Wiki-Websites).
Insofern stimme ich nicht zu, dass mit der Hardware zwangsläufig die notwendige eCompetence sich einstellt – denn Zugang und Medienkompetenz feien nicht vor monologisierender bzw. konsumistischer Handhabung. Vielmehr sind wir Augenzeugen eines wahrhaften “Clash of Cultures”, der im “Clash of Generations” seinen Ursprung findet. Leider öffnet sich dieser Generationen-Graben direkt hinter jungen Hochschul-AbsolventInnen, die in anmaßender Arroganz sich weigern, diesen kulturellen Wandel mitzugehen – geschweige denn ihn mitzugestalten.
Insofern blicke auch ich angesichts dieser digitalen Kluft recht skeptisch auf die Hochschulen, die eigentlich Orientierung im Hinblick auf die Herausbildung von Lernstrategien bieten sollten …