Frieden lernen

Gestern abend besuchte ich in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften die öffentliche Abschlussveranstaltung einer einzigartigen Veranstaltungsreihe zum Thema Energie, Ressourcen, Frieden. Klingt vielleicht etwas verstaubt – ist aber das aktuellste, weil drängendste Thema unserer Zeit. Dies sahen viele andere Menschen ähnlich – der Raum war schließlich pickepacke voll.

Inhaltlich ging es um Klimawandel und Ressourcenknappheit – und in letzter Konsequenz natürlich um kriegerische Auseinandersetzungen aufgrund dieser dramatischen Wandlungen unserer Zeit.

Eine der Schlüsselfragen liegt im künftigen Umgang mit den energetischen und natürlichen Ressourcen. Wissenschaftlich begründete Szenarien wie der jüngste Bericht des Intergovernmental Panel of Climate Change (IPCC) gaben Anlass zu der Annahme, dass die Folgen der Energienutzung und der damit einhergehenden Umweltbelastung nicht nur irreversible Veränderungen der natürlichen Lebensbedingungen, sondern auch erhebliche wirtschaftliche Belastungen und gesellschaftliche Konflikte auslösen werden.

Eine wachsende Konkurrenz um den Zugang zu natürlichen Ressourcen, insbesondere zu fossilen Energieträgern und Wasser, gilt als ein erstrangiger Risikofaktor für die globale Stabilität.

Personell wartete die Veranstaltung u.a. mit 4 alternativen Nobelpreisträger/innen auf – allen voran der großartige Johan Galtung, der angesichts der deutschen Geschichte süffisant zu bedenken gab, den Fokus eher auf non-konforme, kritische Menschen zu lenken. Schließlich seien diese im Rückblick die humaneren Personen ihrer Zeit gewesen …

Wie auch immer:
Nach einem –mich überraschend beeindruckenden– Referat unseres Bundesumweltministers, der kurzerhand –ohne Manuskript (!!)– die gesamte Problematik und Bedeutung der vordergründig Klimapolitik sich schimpfenden Aufgaben entfaltete (auf inoffizieller Ebene aber eine gleichberechtigte Wirtschaftsordnung zum Thema hat), trat Herr Galtung ans Podium, der große Friedensforscher aus Oslo.Und dieser hatte eine großartige Idee im Gepäck:

Als mögliche Lösung herannahender Konflikte nannte er einen einzurichtenden UN-Klimarat, der –auf gleicher Höhe wie der Sicherheitsrat– pro-aktiv um eine gerechte Verteilung der Klimalasten sich bemühe. Und damit alle uneinsichtigen Staaten sich auch beteiligen, nenne man den Rat am besten Rat für Umwelt, Energie und Ressourcen. Darin wären alle Staatengruppen gleichberechtigt vertreten, deren Aufgabe es wäre, die vorhandenen Ressourcen unserer Erde so zu verteilen, dass alle damit leben können. Über diesen Verständigungsprozess vermeide man weitere Kriege um diese knapper werdenden Ressourcen – man denke nur an aktuelle Kriege und ihre wahren Ursachen (Öl und Wasser). Schließlich könne man über diesen Weg auch allen vermeintlichen Skeptikern des menschengemachten Klimawandels entgegen halten: Ok, dann verständigen wir uns wenigstens über diese Themen, um dauerhaften Frieden zu sichern.

Super Idee, wie ich finde. Nur: Ob diese Einsicht auch von einflussreichen Kreisen des militärisch-industriellen Komplexes so gerne gesehen wird, möchte ich bezweifeln. Denn letztlich ist noch jeder us-amerikanische Aufschwung durch Kriege initiiert worden …

Anyway. Tolle Veranstaltung. Besten Dank.
Im oekom verlag erscheint demnächst die Zusammenfassung der Veranstaltungsreihe.

politik, klima, konfliktmanagement

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