Gelehrte Lektionen …

In den letzten Monaten absolvierte ich 3 Kurse als ‘Lehrende’, die ich jeweils -mindestens teilweise- im Web 2.0-Style absolvierte:

  1. Ein reguläres FHTW-Wahlfach im Fachbereich Internationale Medieninformatik zum Thema “Usability”. Dort produzierte ich im zweiwöchentlichen Takt Online-Lectures, vor deren Hintergrund die Studis ihre persönlichen Reflexionen zu einer von mir gestellten Frage in einem persönlichen Blog notieren sollten. Zudem leisteten die Studis in Gruppenarbeit die Transferarbeit der theoretischen Reflexionen, indem sie in einem kollektiven Wiki die Anforderungen für die Produktion positiver User Experience für einzelne Medienformen zusammentrugen. Die Ergebnisqualität sowohl der Blog- wie der Wikibeiträge war wirklich überzeugend und so beeindruckend, dass wir die Wiki-Ergebnisse in den nächsten Tagen als PDF-eBook veröffentlichen bzw. das Wiki zur öffentlichen Ansicht freischalten.
  2. Im praktikumsbegleitenden FHTW-Blockseminar “Arbeitsprozessorganisation” gingen wir den institutionellen Anforderungen und persönlichen Möglichkeiten der Optimierung von Arbeitsprozessen nach. In diesem Bereich bieten Web 2.0-Anwendungen einen sehr großen Entfaltungsmoment, da sie die Potenziale virtueller Arbeits- wie Lernbedingungen ausreizen und -sofern kompetent arrangiert- zu ungeahnter Effektivität führen können. Konsequenterweise verläuft dieses Seminar in Blended-Learning-Manier: Nach einem Präsenztag absolvieren wir -wenn von den DSL-Flatrate-Voraussetzungen aller Beteiligten her möglich- 2 synchrone Online-Tage, um uns dann zu einem abschließenden Präsenztag wieder zu treffen. Die persönlichen Online-Erfahrungen sind dabei die intensivsten Erlebnisse für die Studierenden, da sie Vor- wie Nachteile der virtuellen Kommunikation(sschwierigkeiten) am eigenen Leib/Gehirn erfahren. Vor allem die Intensität der Online-Mitarbeit verblüfft jeden, der dies zum ersten Mal erlebt.Ein inhaltliches Ergebnis möchte ich an dieser Stelle noch anführen:
    Eine kollaborative Aufgabe bestand darin, gemeinsam in Mindmeister eine Mindmap zu den Chancen und Risiken, Vor- wie Nachteilen von Web 2.0 zu entwickeln. Innerhalb von Sekunden füllte sich die Rubrik Risiken – während lange Zeit kein einziger Punkt unter “Chancen” zu finden war. Nur mit Mühe liessen sich einige wenige Vorteile herauslocken ;-)
    Mindmap APO
  3. Schließlich absolvieren wir morgen unsere Abschlußversanstaltung des ersten Game based eVideo-Kurses. Hierzu könnte man vieles berichten – und wir bemühen uns auch gerade, unsere Erfahrungen in einem Paper strukturiert zusammenzutragen. Wenn ich meine persönliche Einschätzung heute auf einen Punkt bringen müsste, so erscheint vor meinem inneren Auge eine künstlerische Installation, die -meines Wissens im Schwarzwald stehend- eine schöne Symbolik ausstrahlt (leider kein reales Foto gefunden):Sprungbrett

    Es handelt sich hierbei um ein Sprungbrett, das aus einem geschlossenen Haus ragt. Aus der Sicht des Betrachters (im Haus) meint man, springen zu können in das darunterliegende Tal – letztlich verhindert aber die dazwischen geschaltete Glasscheibe den wirklichen Sprung. Insofern kann der im geschlossenen Raum stehende Betrachter den Sprung mit freiem Fall denken, muss sich aber keiner Gefahr aussetzen … Ich denke, mit dieser Symbolik ist das Kernproblem moderner Learning 2.0-Szenarien gut umschrieben. Denn ich bin davon überzeugt: Trotz aller berechtigter datenschutz-rechtlicher Bedenken ist dieser kleine Schritt hinaus in die weite virtuelle Welt der nächste große Schritt für die Menscheit. Zwar müssen Sicherheit und Identität die zentralen Motive der Auseinandersetzung darstellen, um eine verantwortliche Info-Teilhabe bei gleichzeitigem selbstverantworlichen Umgang mit seinen eigenen Daten zu gewährleisten. Aber nur wenn wir uns (möglichst) alle AKTIV einbringen, können wir unsere gemeinschaftlichen Interessen und Wünsche kollaborativ abwägen und gemeinsam umsetzen. Andernfalls verharren wir in diesem monologisierenden Habitus selbst ernannter “Eliten” (interessanterweise scheint derzeit das Lieblingsschimpfwort von Jounalisten und Politikern der Begriff “dekretieren” zu sein … ). usw. usf.

Soviel an dieser Stelle. Zu gegebener Zeit folgt weiteres.

Popularity: 33% [?]


Tags: | | | | |

Verwandte Artikel:

About the Author

acw

acw

Kommentieren Sie doch ;-)

Sie können diese XHTML Tags nutzen.: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <blockquote cite=""> <code> <em> <strong>