Moodle vs. Facebook – ein Vergleich

Hier ein längst überfälliger Vergleich der beiden Systeme. Sollten mir weitere Unterscheidungskriterien einfallen, ergänze ich diese Liste und setze das Erscheinungsdatum dieses Beitrages auf den aktuellen Termin.

Vergleich Moodle Facebook
Kurse Kursentwicklung entlang sequentieller Themen-/Zeitraster; Aufgaben mit Punktevergabe; Tests mit Punktevergabe geheime Gruppenbildung möglich – leider ohne RSS oder Mailbenachrichtigung bei Änderung von Inhalten
CMS Wäscheleine für diversen Content + Verlinkung möglich Verweis auf externen Content über Links + Upload von Fotos/Videos möglich – alle Gruppenmitglieder mit selben Rechten – Gefahr: beim Upload kann man einzelne sichtbare Personen mit Namen kennzeichnen
Kommunikation Foren mit Threads & Mailfunktion, derzeit unbrauchbarer Chat; Dateiupload bei Aufgaben unkomfortable Nutzung der Foren, weil ohne Threads und neueste Nachricht schliesst sich am unteren Ende an (m.a.W.: viel Scrollerei) + Pinnwand als One-way-Communication + Benachrichtigung per Mail nur bei einer Antwort auf eigene Aktivität
Personalisierung abgesehen von Forenabonnements keine Personalisierung möglich individuelle Profilbildung als zentrales Element – diverse zusätzliche Add-ons ermöglichen eine sehr persönliche mediale Ausgestaltung – kann als ePortfolio genutzt werden, sofern beim Foto-/Videoupload anderer Personen kein “Outing” erfolgen kann (s.o.) – BITTE ÄNDERN SEITENS FACEBOOK!!!
Vernetzung Instant Messaging der Online-Aktiven möglich – ansonsten keine weitere Vernetzung ebenfalls IM für Online-Aktive + individuelle Vernetzung innerhalb wie außerhalb des Kurses durch Freundschaftsanfragen + Kenntnis der Aktivitäten deiner “Freunde” + vielfältige Verbreiterung des Gesamtnetzwerkes durch Hinzufügen weiterer interessanter Gruppen bzw. Gründung eigener Gruppen

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acw

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11 Antworten to “Moodle vs. Facebook – ein Vergleich”

  1. Der Chat in Moodle ist nicht unbrauchbar, der ist nur einfach. Ich nutze ihn regelmässig, allerdings nicht für große Gruppen. Der Protokoll ist zwar wichtig, aber kaum leserlich.

    Der neuen Chat in Facebook ist ein Witz. Lagert sich teilweise hinter add-on Elemente, minikleiner Fenster. In Moodle Chat kann man Links hineinposten, die automatisch klickbar werden.

    Ich würde kein Unterricht in Facebook machen wollen, weil ich gerne in geschlossene Gruppen arbeite. In Facebook bin ich mir nie richtig sicher, was Leute von mir sehen. Und eigentlich ist Facebook *persönlich*, man ist ein andere Person als Lehrender / Lernender. Das möchte ich gerne trennen.

    Debbie-persönlich mag lustige Schilderfotos und spielt Scrabulous bis zum umfallen; Debbie-Lehrerin versucht organisiert zu sein und streng den Unterricht voranzutreiben.

    Überhaupt brauchen wir nicht ein Social Community für alles, sondern eins für jeder Aspekt unsere Leben. Mit unterschiedlichen Zugänge. Leute müssen verstehen, was es bedeutet, Identität im Web.

  2. Kann man diese beiden Systeme überhaupt vergleichen? Streng genommen? Die wurden doch für ganz unterschiedliche Ziele entwickelt. In Moodle ist das Thema, um das diskutiert wird im Zentrum, die Menschen interagieren in verschiedenster Hinsicht dazu, sie können schreiben, lesen, reagierenm, feedbacken etc.
    Facebook ist doch eher Event-orientiert und (oberflächlich) beziehungsorientiert. Da wird eher angekündigt, als diskutiert. Oder nicht? Da geht es m. E. nicht wirklich darum, Themen zu vertiefen? Oder habe ich da noch was nicht begriffen?

    Miriam

  3. Die Systeme kann man nicht vergleichen – das stimmt, Miriam. Gleichwohl teste ich derzeit, inwiefern andere Systeme als klassische LMS für das persönliche Lernen brauchbar sind. Da ich ja keine Vertreterin von Facebook bin und grundsätzlich Schwierigkeiten mit den Eigendynamiken kommerzieller Systeme habe, möchte ich hier natürlich keine explizite Anwendung promoten.

    Tatsächlich will es mir aber so erscheinen, als ob das Gros der Menschen über die Nutzung eines weltweiten Social Networks (SN) eine intrinsischere Motivation mitbrächten als in den LMS, in denen man nur vorbeischaut, wenn es Punkte zu “gewinnen” gibt. Solche SN sind zunächst attraktiver aufgrund der Vielfalt an individuellen Möglichkeiten – und erst recht wenn das Argument wegfällt, man hätte Probleme mit der Öffentlichkeit einer sich entwickelnden, lernenden Online-Persönlichkeit, können solche SN-Gruppen (wie wir sie derzeit in Facebook betreiben) vielleicht einen Zwischenschritt zum selbstorganisierten Lernen darstellen.

    Um nichts anderes geht es mir: Ich möchte niemandem etwas beibringen – und insofern gebe ich auch keinen Unterricht. Die Infrastruktur stellt sozusagen den lehrenden institutionellen Rahmen dar – ich operiere lediglich als Moderatorin, Kuratorin o.ä. – und zumal in weiterbildenden “Kursen” stellt die Anforderung der Registrierung in einem SN oftmals den ersten Bezug zum Web 2.0 dar …. Darüberhinaus hoffe ich auf nicht-kommerzielle SN, die sich später in das SN-übergreifende Open Social-Netzwerk, das sich absehbar entwickeln wird, einfügt.

    Inwiefern in Hochschulen ggf. andere Lehrziele prä-dominat anzusehen sind, möchte ich angesichts der Schnelllebigkeit unserer vergänglichen Faktenwelt nicht beurteilen müssen. Als ein zentrales Momentum der Ausbildung sehe ich es an, den Studierenden eine persönliche Arbeitsorganisation im Rahmen aktueller Infrastrukturen nahezubringen, die es ihnen ermöglicht, sich künftig ohne Nahtstelle weiterzubilden und wirklich lebenslang zu lernen. Und ich denke, dort könnten die privat genutzten sozialen Räume einen Beitrag leisten – wohl wissend um die Schwierigkeiten, die solche private Zusammenhänge im beruflichen Umfeld mit sich bringen können.

    Wie gesagt: mein Problem mit diesen sozialen Netzwerken ist weniger der souveräne berufliche Umgang als vielmehr die euphorische private Nutzung. Wir müssen als neue eCompetence den nachwachsenden Generationen die Gefahren eines privaten Gebrauchs verdeutlichen – und gleichzeitig die beruflichen Potenziale betonen. Insofern stimme ich Dir zu, Debbie: es geht um Identität im Netz – aber ich denke, wir können im Zeitalter digitaler Datenspuren die Trennung zwischen privater und öffentlicher Identität nicht mehr wahren. Daten kennen nur den Binärcode – 1 oder 0 – ob privat oder öffentlich ist der Datenabfrage völlig gleichgültig ;-)

  4. gute diskussion. @debbie: ja, für social software braucht man mehrere “personae”, das ist wahr. aber ich würde denken, man sollte im grunde mit zweien hinkommen: einer privaten und einer öffentlichen (jeweils mit anderen nicknames …). wenn man es wirklich professionell benutzt, braucht man vielleicht beine dritte. aber zum lehren/lernen extra in Moodle o.ä. zu gehen mag eher nur für die Lehrer nützlich sein (um sich eben diese Mütze aufzusetzen, sich zusammenzureißen usw.). aus der sicht der studierenden, würde ich meinen, ist es besser, das mit einer offiziellen, aber immer noch informellen identität zu tun: kaum jemand, der lernen will, definiert sich zuerst als “lerner” (vielleicht: leute in einer elite-schule?). entsprechend komisch ist es, sich in eine App einzuloggen, die mich gleich zu beginn als “lerner” definiert, anstatt als kompetenten, selbstgesteuerten wissenssucher. Facebook ist möglicherweise so lange gut, als die leute “eigentlich” woanders sind (in StudiVZ wahrscheinlich, horribile dictu). @anja: könnte man so etwas auch mit einer offeneren plattform machen, also mehrere apps, die dann über MyBlogLog etwa gebündelt werden? (das ist ja eigentlich die mir bislang sympathischste SocialSoftware App, obwohl ich sie deshalb momentan kaum nutze, weil die kritische masse von unmittelbaren peers nicht dabei ist.)

  5. MyBlogLog kannte ich nicht, schaue ich mir gerade an – sieht sehr interessant aus – muss ich aber erst selbst in Gänze verstehen, um die Tragweite erahnen zu können. Ich könnte mir vorstellen, 2.0-Starter wären dann komplett überfordert, in dieser Welt zu leben. Aber vielleich wäre dies auch ein schöner Startpunkt, um das “Inferno” aufzuzeigen – hier bewegen wir uns und dort können wir uns treffen.

    Ich glaube, derzeit sind wir alle so sozialisiert, ein digitales Zuhause zu wünschen, in das ich andere einladen kann (Website als Repräsentanz), in dem ich kochen kann (neue Kreationen), in dem ich dinnieren kann (Kommunikation) und in dem ich schlafen kann (wenn ich nichts verändere, verändert sich gar nichts) ;-)

    Was an solchen großen Social Networks interessant ist, ist die Tatsache, dass man nebenbei von den Aktivitäten anderer in diversen Diensen erfährt und darauf gestossen wird: stimmt, das klingt ja interessant – könnte ich ja auch einmal ausprobieren. Es existiert keine standardisierte Vorgehensweise, sondern jedeR kann den Dienst individuell auf seine Bedürfnisse zuschneidern. Das fördert die persönliche Dynamik – also aich, wenn in der Gruppe nichts geschieht, wird es einem nie langweilig in diesem großen Universum ….

  6. @Martin Lindner
    Der Hinweis, dass Studierende eher “informelle” Plattformen nutzen, ist spannend. Ja, finde ich auch, dass dies sicher nötig ist, denn die individuelle Nutzung und die Wahl, was wie genutzt wird, ist essentiell (Stichwort PWLE). Dennoch können institutionelle / formelle Plattformen wie Moodle (in denen zum Glück auch viel Informelles läuft) Portale bilden, in denen das Lernen temporär organisiert wird. Der Moodle-Raum dient dann als Schnittstelle zwischen der aktuellen Lerngruppe und den individuellen Plattformen/PLE/Portfolio etc. Man dockt sich gleichermassen an, um auf einer gemeinsamen Basis zu interagieren und gemeinsam an Inhalten zu arbeiten, um sich dann schliesslich irgendwann wieder los zu sagen, wenn sich die Lerngruppe auflöst… Die Spuren finden sich dann auf den individuellen PWLEs.

    Grüsse, Miriam

  7. [...] Äpfel und Birnen sich verschieden, haben aber auch gemeinsame Elemente. Anja Wagner vergleicht Moodle und Facebook miteinander. Interessant, obwohl ich zunächst fand, dass man die nicht vergleichen kann. [...]

  8. Die Gegenüberstellung ist sehr interessant. Die Vorteile in einem Moodlesystem sind für mich, dass ich leichter nachvollziehen kann was die einzelnen Teilnehmer_innen sehen und was nicht. So kann ich mit weniger Aufwand mehr und gezielter steuern.

    Leider kann mensch die Moodlekurse nicht mitnehmen, weiterverwenden oder öffentlich machen (zumindestens nicht so einfach). In Facebook wäre das immerhin gewährleistet.
    Im Juli will Facebook ausmisten und die Oberfläche nachvollziehbarer gestalten. Vielleicht lassen sich die hier angesprochenen Probleme ja teilweise beheben.

    @Debbie: über die Sache mit den verschiedenen Identitäten muss ich mal nachdenken.

  9. [...] Moodle vs. Facebook – ein Vergleich [...]

  10. Ich bin von Facebook immer noch verhältnismäßig entsetzt.

    http://riecken.de/index.php/2009/11/facebook_ist_mir_potentiell_zu_teuer/

    Zusätzlich vermisse ich auch bei vielen Studentinnen und Studenten (bei uns an der Schule sind sehr oft Praktikanten) eine Sensibilität, was den Umgang mit den eigenen Daten angeht. Zudem belegen Studien, dass die “Verschleierung durch Mehrfachidentitäten” allenfalls optimierbar klappt. Die Opposition sollte daher für mich nicht lauten Moodle vs. Facebook, sondern eher “Lernen in nichtkommerziellen geschlossenen Räumen” vs. “Lernen in kommerziellen, öffentlichen Räumen”. Für den letzten Prozess reicht es in meinen Augen nicht aus zu sagen “Das ist Facebook und ich erkläre dir es jetzt…” – ein gelegentlicher Blick unter die Haube scheint mir auch nicht verkehrt, weil ich so freier, bzw. auf einer anderen Basis entscheiden kann.

  11. [...] moodle vs. facebook (D) [...]

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