03.12.08 Martin Lindner sprach zum digitalen Klimawandel
Hier die Videoaufzeichnung des hochinteressanten Vortrages von Martin Lindner (läuft bei mir nicht im Firefox-Browser, wohl aber im Safari):
Und die Folien zum selbst durchklickern:
Eine wunderbare textuelle Zusammenfassung seiner Aussagen hat Alex Kluge im eVideo-Twitter-Channel erstellt – ich zitiere z.B.: “”Das Web ist tief – und entsteht durch eine Übereinanderlagerung von Schichten”, so Lindner – ich nenn ihn “Dr. Metapher-Martin”
#mlm08″
Die Folien hängen wir ein, sobald sie auf Slideshare hochgeladen sind.
Wünsche viel Spass bei der Ansicht!
(Hier noch eine schöne Reflexion eines studentischen Besuchers der Veranstaltung.)
Und wen es interessiert – hier meine Vorab-Überlegungen, wie ich ML anmoderieren wollte …:
Ist eLearning tot? Ich würde sagen: Ja! Auf jeden Fall das eLearning, was die meisten darunter verstehen. Die Frage ist, ob eLearning jemals lebte. Bevor wir diese Diskussion jetzt führen, behaupte ich lieber: Klassische Lehre ist tot. Zumindest wenn sie sich im traditionellen Vortragsstil in geschlossenen Räumen für einen exklusiven Nutzerkreis abspielt. So, wie im eLearning-Kolloquium
Bedeutet dies, es solle keine Vorträge mehr geben? Nein, das bedeutet es nicht. Aber es bedeutet, dass heutzutage jedeR u.a. seinen persönlichen Vortrag halten und einem Publikum entgegen führen kann. Die Reputation des Vortragenden generiert sich dabei aus den aktuellen Inhalten, nicht alten Titeln. Insofern hat die Menschheit einen qualitativen Schritt getan – wie es dazu kam, wird uns sogleich ML berichten. Anschließend können wir dann gemeinsam diskutieren, welche Konsequenzen sich aus diesem Wandel für das Lernen (und ggf. die Lehre) ergeben.
Um die zeitliche wie räumliche Achse der heutigen singulären Veranstaltung zu öffnen, haben wir mehrere Kanäle eingerichtet, über die die Welt draussen mit uns in Kontakt treten kann.
Zum einen streamen wir diese Veranstaltung live über einen Live@FHTW Berlin-Kanal in ustream.tv. Ich selbst stehe gleich zur Verfügung, um mit den dort Anwesenden zu chatten und ggf. externe Fragen oder Diskussionsbeiträge einzufangen. Die Session kann später auch asynchron abgerufen und kommentiert werden.
Zum anderen wird unsere studentische Hilfskraft Alexander Kluge auf Twitter unter dem Namen “evideofhtw” livebloggen und uns -by the way – eine Art inhaltliches Protokoll anlegen. Auf dem Beamerbild kann verfolgt werden, wer aktuell ein Posting mit dem Hashtag #MLM08 absetzt. Also alle internen wie externen Personen können über diesen Rückkanal während des Vortrages virtuell tuscheln, Fragen sammeln oder entwickeln, Kommentare absetzen usw. usf..
Wir werden in der anschließenden Diskussionsrunde versuchen, alle diese verschiedenen Kanäle zu bündeln – also sozusagen eine “Blended Discussion” zu führen.
Darüberhinaus werde ich anschließend eine kurze Zusammenfassung der Geschehnisse in meinem eduFutureBlog und im eVideo-Blog formulieren, über die dann alle Links und asynchronen Möglichkeiten abgerufen werden können.
Dies also zum technologischen Rahmenprogramm, kommen wir nun zum eigentlichen Vortrag:
Es freut mich, heute ML in Präsenz begrüssen zu dürfen. Wir selbst repräsentieren eine typische virtuelle Arbeitsbeziehung, wie sie das neue vernetzte Netz generiert. Wir arbeiten – jeder für sich an unterschiedlichen Projekten – in einem großen, virtuellen Großraumbüro, dessen räumliche Ausmaße für jeden von uns in verschiedene Richtungen laufen, aber sich immer wieder kreuzen: in verschiedenen Kommunikationskanälen – meist asynchron, manchmal auch live in irgendwelche Online-Veranstaltungen irgendwo auf dieser Erde. Heute sehen wir uns zum zweiten Male in Präsenz – beim 1. Mal begegneten wir uns auf einer Microlearning-Konferenz in Innsbruck, dessen Chairman ML ist. Heute allerdings diskutieren wir erstmals gemeinsam in Präsenz mit ihnen allen und ich bin gespannt, ob dieses Zusammentreffen eine andere Qualität hat, als die vielen virtuellen. Da ich im Rahmen unseres eVideo-Projektes schon mehrfach das Vergnügen hatte, ML im Virtual Classroom begrüssen zu dürfen, denke ich, dies einigermaßen beurteilen zu können.
Aber kommen wir nun zu ML: Er bezeichnet sich selbst als digitalen Immigranten, dem das Netz als ein dem analogen Medium verpflichteter Mensch (ML ist ein habilitierter Literaturwissenschaftler) die Augen öffnete und ihn zu einem Medienwissenschaftler werden liessen. In meinen Augen ist er einer der wenigen, wenn nicht derzeit der einzige im deutschsprachigen Raum, der wirklich versteht – oder wenigstens zu verstehen und zu formulieren versucht – welchen sozio-kulturellen Wandel das neue dynamische Netz (manche nennen es Web 2.0, ML nennt es Micro-Web) generiert. Am Ende dieser Entwicklung, soviel steht fest, wird kein Stein mehr auf dem anderen stehen – zumindest nicht in derselben Reihenfolge wie vorher. Wir sehen es derzeit an der Wirtschaftskrise, die vielleicht auch als Finanzkrise gesehen werden kann, letztlich aber ein Resultat der neuen, schnellen digitalen Kanäle ist. Vielleicht wird man später sagen, diese Krise war der Umbruch der alten, massenmedialen Welt in die neue Welt des digitalen Microwebs, in der sämtliche (und ich fürchte, es sind tatsächlich sämtliche) Informations-, Kommunikations- und Produktionssysteme sich auf die neuen, kollaborativen, dynamischen Konfigurationen umstellen mussten. Es kommt also auf uns an, die rechtlichen und systemischen Rahmenbedingungen offen zu diskutieren, um diese Veränderungsprozesse adäquat gesellschaftlich einzubinden.
All dies kann ML viel besser und schöner erklären als ich – insofern das Wort an ihn, auf dass er uns allen eine Ahnung vermittelt, in welche Richtung sich der “Change” vollzieht.
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Tags: event | information | micro
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[...] Als Martin Lindner aus Anlass der Online Educa letzte Woche in Berlin weilte, hat er einen kleinen Umweg genommen und diesen Vortrag an der FHTW Berlin gehalten. Martin Lindner, der die jährliche Microlearning-Konferenz in Innsbruck organisiert, ist habilitierter Literaturwissenschaftler, Mcluhanianer und Weinbergerianer, was ihm das notwendige Rüstzeug bietet, das Internet immer wieder in schönen Begriffen und Bildern auf den Punkt zu bringen. In Berlin erläuterte er, was er unter digitalem Klimawandel versteht, wieviel e-Learning in seiner Biographie steckt, dass wir von ca. 320 sinnhaften Momenten am Tag ausgehen können und warum diese Momente mit dem Stichwort “Microinformation” am Besten beschrieben sind. Weitere Stichworte zur Präsentation finden sich auf dem eduFutureBlog 2.0, auf den auch dieser Beitrag verlinkt. Martin Lindner, FHTW eLearning-Kolloquium/ eduFutureBlog 2.0, 3. Dezember 2008 [...]
ich würde es ja gerne etwas anders sehen: als ML aus anlass des fhtw-elearning-kolloquiums in berlin weilte, besuchte er auch die oeb08
Kommentare kann ich übrigens nur zulassen, wenn sie nicht anonym geäußert werden …
Verfolge den Vortrag von Dr. Martin Lindner: mikroinformation: Überleben & Lernen im Digitalen Klimawandel http://tinyurl.com/ccw75g
Hallo,
gibt es diesen großartigen Vortrag auch in Englisch?
Gruss Heike
martin lindner publiziert recht regelmäßig in englischer sprache. um aber die diskussion im deutschsprachigen raum anzuregen, bin ich sehr froh, dass dieser vortrag in deutscher sprache vorliegt.
gruss, anja