Bildungsindustrie vs. OER

Eine Grafik, die mir vor einiger Zeit vor die Nase kam (ich glaube, der Tipp kam über Twitter und wartete seitdem geduldig in einem Firefox-Tab), lässt mir keine Ruhe:

Die Ausgaben für den College-Besuch in den USA sind in den letzten 25 Jahren um das 4,39-fache der Inflationsrate gestiegen. Nicht qualitätsbedingt begründet, sondern vermarktet durch das später zu erzielende Mehreinkommen. Diese Annahme löst sich allerdings von der Realität: Ein Studium vermag heute als Grundvoraussetzung für einen Job gelten, aber statistisch gesehen nicht für einen besser bezahlten, der auch noch die aufgelaufenen Schulden re-finanziert. Insofern warten einige auf das Platzen dieser formalen Bildungsblase, in die wir uns in hiesigen Gefilden gerade erst hineinbegeben. Die deutschen Hochschulen, so lässt sich aus der Beobachterin-Perspektive von außen feststellen, hoffen vielfach auf fließende Einnahmen durch ihre berufsbegleitenden, kostenpflichtigen Master-Studiengänge. Aber ist diese Form der Ausbildung wirklich noch zeitgemäß, frage ich mich?

Auch Barack Obama stellte in seinem Wahlkampf viele große Bildungspositionen in Aussicht, die v.a. den kommerziellen Bildungsanbietern, der so genannten Bildungsindustrie, in die Arme spielen. Sicherlich, Bildung kommt gut an beim Wahlvolk – wir sehen es gerade beim neuen Konjunkturpaket. Die Investitionen in Kommunen und Länder werden mit dem Ausbau von bestehenden (Hoch-)Schul-Gebäuden begründet. Also nicht in neue, innovative Bildungsformen, sondern in die Fortführung bisheriger Strukturen. Bei den Automobilherstellern regt sich die Bevölkerung auf, warum diese einerseits den Fortschritt verschlafen, aber jetzt staatliche Unterstützung wünschen. Bei den Bildungseinrichtungen verstummt sofort jede Kritik – warum ist das so?

Ohne an dieser Stelle eine Antwort zu suchen, möchte ich auf 2 unabhängige Diskussionen verweisen, die mir  Hoffnung machen:

  1. Zum einem die populären Ideen von Charles Murray, der in seinem Buch Real Education (ich hab’s nicht gelesen, sondern nur das folgende Video geschaut) die These aufstellt, dass nur 10% aller Studierenden wirklich locker durch das College marschieren – alle anderen kämpfen sich durch, weil die Anforderungen nicht ihren Fähigkeiten entsprechen. Interessanter Ansatz, der aus meiner Sicht für eine Individualisierung der persönlichen Bildung spricht und weniger für die praktizierte “one-size-fits-all”-Politik.

  2. Zum anderen haben sich in Australien einige innovative Leute auf den Weg gemacht, eine Peer 2 Peer University aufzuziehen, die Anfang 2009 starten wird und jedem (!) die Möglichkeit eröffnet, sich entweder bestehenden Themen anzuschließen oder selbst einen Kurs aufzusetzen, der auf Open Educational Resources beruht. Interessantes Projekt, zumal zwischenzeitlich eine Vielzahl an freien Lerninhalten existiert (siehe als Start z.B. WikiEducator oder die entsprechenden Linktipps in delicious). Zwar baut auch diese Sichtweise auf einer formalen Perspektive auf, aber wenigstens umgeht man so den riesigen bürokratischen Wasserkopf, den man sonst mitfinanziert.

Ich selbst präferiere und empfehle dagegen eher den informellen Weg.

  1. Einfach sich mit den neuen kollaborativen Möglichkeiten auseinandersetzen:

    Top 100 Tools for Learning 2008
    View SlideShare presentation or Upload your own. (tags: tools learning)
  2. Sich selbst ein Thema freier Wahl definieren und geeignete Fragestellungen suchen.
  3. Die begutachteten Inhalte selbst oder mit anderen reflektieren – oder wie Stephen Downes meint: Filter, repurpose, remix, feed forward – in deutsch: Filtern, aus dem Zusammenhang reissen, in neue Zusammenhänge stecken, veröffentlichen (unter einer CC-Lizenz)!

Was hiermit geschehen sein soll ;-)

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4 Antworten to “Bildungsindustrie vs. OER”

  1. Neuer Blogbeitrag zu "Bildungsindustrie vs. OER" – http://tinyurl.com/a5p46m

  2. lese Bildungsindustrie vs. OER von @acwagner http://tinyurl.com/a5p46m

  3. empfiehlt "Bildungsindustrie vs. OER" – http://tinyurl.com/a5p46m von @acwagner

  4. [...] economic point of view a tremendous graph of development of tuition costs in the US from NYT (via: http://edufuture.de/2009/01/15/bildungsindustrie-vs-oer/) This is really about the price and what is the value you give it… a though [...]

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