Lautlos mobil kommunizieren
Wir befinden uns im Jahre 2009. Alle Welt spricht von der zunehmend vernetzten Gesellschaft und den Erfordernissen, denen Menschen und Institutionen nachkommen sollten, um Schritt zu halten in dieser deregulierten Welt. Diese Anforderung perlt aber leider an so mancher öffentlicher Institution ab, als würde sie sich in einem zeitlosen Raumschiff bewegen.
Bibliotheken gehören ja nun zu den großartigsten Erfindungen der Menschheit. Gerade in letzter Zeit durfte ich feststellen, welch ungemein großer Luxus die zurückgezogene Welt dieses fast anachronistisch anmutenden Bücheruniversums darstellt. Für Normalbenutzer/innen existiert kein Internetzugang – insofern auch kein Zugriff auf die beliebten Procrastination-Tools – also wunderbar!
Nun lebe ich aber sehr intensiv in der vernetzten Welt – denn Überraschung: Auch ich muss meinen Lebensunterhalt verdienen und zu diesem Zweck mit Menschen kommunizieren. Kein Problem, denke ich, das Smartphone still geschaltet und notfalls für ein Gespräch in die Cafeteria gehen.
Tja, denkste ….
Hechtet mir heute der unausgelassene Hilfssheriff vom Wachdienst auf dem Weg zur Cafeteria hinterher, um mich auf die Hausordnung zu verweisen, die besagt:

Gut, in fast jedem anderen (Bundes-)Land dieser Erde würde man diese Regelung sehr weit auslegen und lediglich lautes Klingeln oder Sprechen unterbinden. Nicht so im preussischen Hoheitsgebiet: Dort legt man die Bestimmung aber auch wirklich wortwörtlich aus. Und dies im Zeitalter einer Gesellschaft, die zunehmend auf always-on aufbaut.
Also, flexibles Arbeiten ist nicht erwünscht – es gilt der binäre Code: Entweder lesen oder (passiv) kommunizieren. Die gute alte Gutenberg-Institution fällt durch die Masche der Netzwerkgesellschaft – lediglich verbunden mit der realen Welt über ihre Bücher, die mit viel Glück eine Aktualität von (sagen wir mal optimistisch) 1,5 Jahre aufweist.
…
So, jetzt habe ich doch einen Blick in die aktuelle Hausordnung vom Dezember 2006 geworfen – es existiert gar kein §6, Abs. 8. Na, da freue ich mich aber auf den nächsten Kontakt mit dem Wachmann
In der Hausordnung ist lediglich vermerkt, dass größtmögliche Ruhe zu herrschen hat – ist ja richtig! Also kann man nach meiner Auslegung lautlos kommunizieren – sozusagen im Bibliotheksmodus.
Meine Güte – jetzt muss ich meinen Aktivismus wohl darauf lenken und die Bibliothek aus ihrem antiquierten Zustand befreien. Super …
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Das ist aber schon erschreckend zu sehen, wie schlecht der Wachmann geschult war, wenn er noch auf die alte Hausordnung verwiesen hat. Viel Spass auf jeden Fall für das näcchste Treffen mit dem Wachmann, und vor allem beim Erklären, dass es eine neue Hausordnung gibt.
Ganz so antiquiert sind Bibliotheken übrigens nicht. Immerhin kann ich schonmal online Bücher reservieren und meinen Leihstatus anschauen…immerhin schon nicht schlecht
ja, du hast recht, brian: wir sollten dankbar sein für die kleinen fortschritte
Da sind nur Handys angegeben – ein PDA ist doch was anderes