WissensWert Blog Carnival Nr. 2: E-Learning der anderen Art

Jochen Robes und Andrea Back fragen in ihrer 2. Ausgabe des WissensWert Blog Carnivals nach den letzten E-Learning-Erlebnissen der Leser/innen. Interessante Frage, spannende Antworten – in der Gesamtschau ein wunderbares Prisma unserer Bildungsrepublik(en).

Also gut, was war mein letztes E-Learning-Erlebnis? Ich muss gestehen, erst zögerte ich, wie ich auf diese Frage antworten könne, weiss ich doch gar nichts mehr mit dem Begriff E-Learning anzufangen. Manchmal habe ich das Gefühl, hier spricht jedeR über ein anderes Sujet: Die einen meinen diese unsäglichen Lernprogramme, die im CBT- oder WBT-Format daherkommen – die anderen fühlen sich ganz modern, wenn Sie im Blended-Learning-Format einen Bruchteil ihrer Lehre im Lernmanagement-System (gleich, welches) absolvieren – schließlich noch eine Fraktion, die einzelne Tools avantgardistisch nutzt und sehr versiert die Google-Klaviatur zu bedienen vermag – und dann existieren bestimmt jede Menge Spielarten, die ich noch gar nicht als solche verstanden habe.

Alle Optionen kann man sicher unter “E-Learning” begreifen, aber vielleicht sei eine naive Frage erlaubt: Ist heute nicht alles ein bißchen “E-”? Kann man heute noch anders lernen als (auch) per E-Learning? Lernen wir nicht ständig und kontinuierlich per E-Medium? Zumindest doch die Personen, die an das Internet angebunden sind – und das sind ja doch schon ein paar Menschen im deutschsprachigen Raum …

Da ich für meine Person behaupten kann, ich erlebe tagtäglich mehrere E-Learning-Erlebnisse (sei es per Hinweis über Twitter, sei es über einen guten Denkanstoß in einem Blogbeitrag, sei es per Facebook-Hinweis zu einer interessanten Gruppe oder per Email-Nachricht zu einem Virtual-Classroom-Gespräch in einer der vielen Social Networks etc.), möchte ich die Frage etwas modifizieren, um dem allgemeinen Verständnis zu entsprechen: Was war mein letztes halbwegs institutionalisiertes E-Learning-Erlebnis? Und da kann ich (ich gebe zu, mit etwas stolz geschwellter Brust) behaupten: Yes, ich habe den kompletten Connectivism-Kurs absolviert!!! Jaha, wie glückte dies?

Indem ich mein Problem zu dem anderer machte und mit einigen Studis gemeinsam den Kurs im Wintersemester durchlief. Denn glücklicherweise wurde ich letzten Sommer gefragt, ob ich nicht im neuen Master-Studiengang Medieninformatik das Modul “E-Learning” übernehmen wolle. Klar, meinte ich, wenn man einverstanden wäre, wenn ich mit den jungen Menschen einen externen Kurs bearbeite. Auf jeden Fall, war die Antwort – et voilà: Damit gab es kein Entkommen!

Es ist wahr: die Materialiensammlung schien mitunter erdrückend, aber eine an den persönlichen Interessen orientierte Auswahl stellt m.E. eine zentrale Lernkompetenz in diesen ach so info-overloadeten Zeiten dar. Und so strich ich anfangs die Materialien teilweise aus eigenem Gusto zusammen, teilweise überliess ich den (wenigen) Studierenden, eine individuelle Auswahl zu treffen und schließlich optimierten wir unsere Lektüre im Laufe des Semesters, indem wir kollaborativ versuchten, den kompletten Überblick zu wahren über die diversen Inhalte.

Wer jetzt die Stirn runzelt und sich fragt, worin denn mein Beitrag als “Lehrende” lag: Ich würde sagen, über diesen Weg konnte ich mich recht gut in die Rolle einer Lernbegleiterin einfinden, den Kontext setzen und verdeutlichen, die wöchentliche Besprechung im Virtual Classroom als Taktgeberin vorbereiten, den für Informatiker/innen doch recht trockenen, theoretischen Ausführungen zum vernetzten Lernen über die Ausgabe zweier OLPCs eine praxisbezogene Aufgabe mitgeben und letztlich alles zusammenführen. Übrigens: Ich liess nicht lesen, sondern ich habe (fast) jeden Beitrag selbst gelesen oder geschaut, um mich besser vorbereiten zu können auf die Gespräche – wen es interessiert: 1 Tag pro Woche musste man einplanen – neben den Besprechungen und ggf. den Wiki-Überlegungen.

Insofern kann ich vielleicht behaupten: ich selbst lernte vermutlich am meisten in diesem Szenario. Wobei, in dem vergangenen Semester arbeiteten die Studis so konstruktiv und zunehmend selbstorganisiert, dass wir ein wirklich gutes Ergebnis zusammentrugen und alle im Rückblick feststellten, wieviel sie gelernt hätten – obwohl die Kompetenzentwicklung doch in eine ganz andere Richtung ging, als sie ursprünglich vermutet hätten ;-)

Mit anderen Worten: Dieser Kurs war für alle Beteiligten ein voller Erfolg und ich hoffe, ich finde weitere solch exzellente Anregungen im großen Netz, die ich mit anderen gemeinsam durcharbeiten kann.

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2 Antworten to “WissensWert Blog Carnival Nr. 2: E-Learning der anderen Art”

  1. [...] Anja C. Wagner (eduFutureBlog 2.0) fragt verwundert, ob man denn heute noch anders lernen kann als per E-Learning, bevor sie uns von ihrem letzten Erlebnis berichtet (”E-Learning der anderen Art”). [...]

  2. Anja C. Wagner fragt verwundert, ob man denn heute noch anders lernen kann als per E-Learning: http://tinyurl.com/aoh25o #carnival2

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