Marketing 2.0 geht alle an

ODER: Was die Krise mit Social Media zu tun hat.

Die Welt steckt in einer großen Krise: Die Weltwirtschaft, das Klima, die Institutionen, die Bildung, die Arbeit. Kurz, die Menschheit häutet sich und jedeR Einzelne muss sich in dieser unsicheren Lage neu positionieren. Nur, an welchen Koordinaten sollte man sich orientieren? Niemand weiss es und auch wir können darauf keine abschließende Antwort liefern. Aber, soviel steht fest: Zum ersten Mal in der Geschichte ist die kollektive Intelligenz gefordert und technologisch ermächtigt, ihre eigene Kreativität einzubringen, um die Krise zu bewältigen. Die neuen sozialen Medien ermöglichen, dass jedeR Einzelne seine Energie in den Topf der gemeinsamen Problemlösung werfen kann – und vielleicht auch muss. Es verhält sich nämlich so: Je mehr Personen sich beteiligen, desto besser. Denn es bedarf einer Vielzahl kreativer einzelner Individuen oder Kleinstunternehmen, die sich in kollektiver Verzahnung ergänzen und auf die Suche nach konstruktiven Lösungspfaden gehen. Wie man sich in diesem Geflecht einen dynamischen Platz sucht und mitarbeitet, soll im neuen eVideo-Kurs zu “Marketing 2.0″ diskutiert werden.

Die Welt als Netzwerk

Stellen wir uns die Welt für einen kurzen Moment als Kern eines runden Paketschnurknäuels vor: Die Schnur-Metapher steht hierbei symbolisch für die Kabel des globalen Kommunikationsnetzwerkes, das die Welt miteinander verbindet und sie zusammenzieht. Kabel, über die unterschiedlichste Informationen und Kommunikationszeichen aus vielerlei Bereichen fließen. Kabel des virtuellen Finanzsystems, der Intranets multinationaler Unternehmen, der Extranets supranationaler Institutionen, der Hochgeschwindigkeitsnetze von Hochschulen und Forschungseinrichtungen, der geheimen Kanäle der internationalen Schattenwirtschaft, der Peer-to-Peer-Plattformen der Tauschbörsen oder – in der heutigen Ausprägung des World Wide Webs – der neuen Möglichkeiten des Social Webs.

Was hat dies alles mit Marketing zu tun?

Auf all diesen Ebenen werden munter Daten ausgetauscht – meist klar organisiert in deutlich umrissenen, sozio-ökonomisch wie sozio-kulturell motivierten Strukturen (Familien, Abteilungen, Nationen, Börsen etc.) oder weniger klar umrissenen Communities (Clubs, Vereine, Kneipe/Bar, Szene o.ä.) bzw. Netzwerken (Alumnis, Businessfrühstück, Facebook o.ä.). Verbunden werden diese vielfältigen formalen und informalen Strukturen v.a. von Menschen, denn jede einzelne Person gehört i.d.R. verschiedenen Rollen der formalen Strukturen an als auch diversen informellen Communities oder Netzwerken. Letztere unterscheiden sich aufgrund der Verbindungsstärke zwischen ihren Mitgliedern: Während Communities auf relativ engen Beziehungen zwischen den Mitgliedern aufbauen, breiten sich Netzwerke noch informeller auf der Basis schwacher Verbindungen, so genannter weak ties, aus. Zudem können diese Netzwerke – im Zeitalter des Web 2.0 – die Menschen auch mit z.B. Datenauswertungen auf der Basis von Algorithmen, semantischen Bezügen oder dem Internet der Dinge verknüpfen. Ja, im Zeitalter der entfesselten Finanzmärkte interagieren die Daten teilweise unabhängig – oftmals ohne menschliche Reflexion – so man ihnen den Raum lässt.

Ok, was hat dies alles mit Marketing zu tun?

Die Daten kursieren also rund um den Erdball, interagieren miteinander, transformieren sich, kommunizieren mit Menschen – die Menschen auch miteinander -, aber aufgrund der Gravitationskraft und der kontinuierlichen Beschleunigung verändern die Daten den kommunizierten Inhalt und die sozialen Strukturen. Das bedeutet nicht, dass die Menschen keinen Einfluss mehr auf die rotierende Datenflut nehmen können. Es bedeutet aber sehr wohl, dass sie nur Einfluss nehmen können, wenn sie als Netzwerkknoten agieren. Zum einen, um die Daten aufzugreifen und weiterzuverarbeiten; zum anderen, um zwischen den formalen wie informalen sozialen Gruppen zu vermitteln und den individuellen Beitrag möglichst breit zu streuen.

Nochmals: Was hat dies alles mit Marketing zu tun?

In der Konsequenz dieser Sichtweise sind die einzelnen Netzwerkknoten, und damit v.a. die Individuen, mitentscheidend für die qualitative Weiterentwicklung der kollektiven Netzintelligenz. Demgegenüber lassen sich die großen, schwerfälligen “Tanker” wie z. B. Großunternehmen, Hochschulen, Parteien etc., nur dann durch diesen gesellschaftlichen Transformationsprozess navigieren, wenn sie innerhalb ihrer Institutionen netzwerkaffine und netzwerkkompetente Personen agieren lassen bzw. flexibel agile Projektteams entstehen lassen, die als temporäre Communities of Practice (CoP) zu Netzwerkknoten im großen Geflecht mutieren. Die Frage ist nur: Warum sollte eine Institution die Kräfte für ein mittelmäßiges, agiles Projektteam im Haus halten, wenn es aufgrund der globalen Vernetzung problemlos möglich ist, die fähigsten Personen temporär zusammenzuführen?! Die Anschlussfrage wäre dann: Warum bedarf es überhaupt größerer Institutionen, wenn doch agile Projektgruppen in zielgerichteten, temporären Zusammenhängen die anstehenden Probleme besser lösen können?! In der Netzwerkgesellschaft, und damit sind wir bei der Notwendigkeit des Marketings angelangt, werden Personen, die innovativ wirken wollen, zunehmend als freie, selbstständige Unternehmer/innen oder Freelancer agieren müssen – als Konsequenz der Sachzwänge und als einzig produktive, kreative Kraft zur Lösung der schwerwiegenden, globalen Probleme.

Das hat alles mit Marketing zu tun!

Gut, damit ist das Tableau entworfen und die Notwendigkeit bereits angedeutet: Individuen, die als Selbstständige oder Kleinunternehmer/innen agieren, müssen ihr Angebot in den Markt tragen, sich als multipler Netzwerkknoten anbieten, um in Projektteams mitarbeiten zu können. Und dies bedeutet auf der sozialen Ebene, an bestehende Netzwerke individuell anzudocken, um ggf. Zugang zu CoPs oder zu einzelnen Personen in formalen Zusammenhängen zu erlangen. Insofern die neuen, digitalen, vernetzten, globalen, sozialen Medien das größte Sprungbrett darstellen, sich im kollektiven Verbund weiterzubilden, den sich dynamisch entfaltenden Innovationsbedarf mitzuentwickeln, im Zeitgeist mitzuschwimmen und ihn mitzugestalten, ist die aktive Teilhabe am Social Web wesentliche Voraussetzung, um sich selbst als Netzwerkknoten anzubieten und als Ansprechpartner/in bereitzustehen. Denn nur wer sich offensichtlich als kompetenteR NetzwerkpartnerIn bewährt, wird in dem gigantischen Netz nach dem Serendipidty-Prinzip gefunden werden. Was dies bedeutet? Serendipity bedeutet frei übersetzt, zu finden ohne konkret zu suchen: Im komplex vernetzten System des Web 2.0 führen keine Katalogsysteme oder geordneten Strukturen die Menschen zu ihrem Ziel, sondern die vielfältigen Bezüge über Stichwörter, semantische Verknüpfungen, wechselseitige Bewertungen und die Auswertung sonstiger Datenspuren spülen zufällig – zumindest oberflächlich betrachtet – Netzwerkknoten genau in dem Moment zusammen, an dem sie etwas miteinander anfangen können. Und zwar aufgrund ihrer aktiven Interessen – also doch nicht so zufällig.

Das soll Marketing sein?

Ja, Netzwerkaktivität ist modernes Marketing – nicht nur im Sinne einer geschickten PR-Kampagne in den sozialen Medien, sondern als ganzheitlicher Prozess: Welches Produkt, welche Dienstleistung, welche Fähigkeit, wird an welchem Markt für welche Zielgruppe zu welchen Konditionen angeboten und nachgefragt – und wer erfährt von den Erfolgen und den Ergebnissen? Der gesamte Produktions- und Distributionsprozess fällt im Zeitalter des Social Media Marketings zusammen zu einem kontinuierlichen Dialog mit anderen Netzwerkknoten, in dem die aktiven Personen mitfliessen, sich automatisch mit dem Netzwerk weiterentwickeln, sich mit ihrer Kreativität in die innovativen Prozesse einbringen und gemeinsam die kollektive Intelligenz formulieren, die Probleme erkennt und idealerweise behebt. Es geht also nicht darum, sein eigenes Online-Marketing für die Suchmaschinen zu optimieren – das erledigt eine angemessene Social-Marketing-Strategie nebenbei. Es geht darum, sich als lebendiger Part des bereits existenten Netzwerkes im Dialog einzubringen und anzudocken!

Wie kann man andocken?

Viele Wege führen in die Netzwerkgesellschaft. Im Grunde kann man empfehlen: Reinspringen in die kalten, digitalen, vernetzten Wellen und mitschwimmen. Als Motto liesse sich formulieren: Seriös sein, neugierig sein, aktiv sein! Sie wissen nicht, wo beginnen? Kein Problem: Wer eine Berliner Wohnadresse aufweist, dem können wir unseren berufsbegleitenden Weiterbildungskurs zu “Marketing 2.0″ anbieten, der am 10. Oktober 2009 startet. Es handelt sich dabei um einen so genannten Blended-Learning-Kurs, der sich vornehmlich aus Online-Phasen mit wöchentlichen Expertengesprächen im Virtual Classroom und sonstiger, vielfältiger Web 2.0-Nutzung zusammensetzt, über 4 Monate läuft und die Teilnehmer/innen jeden Monat in einem Präsenzworkshop an der HTW Berlin zusammenführt.

Was bietet eVideo 2.0?

Im Wintersemester 2009/2010 können sich die Kurs-Teilnehmer/innen in kollektiver, wechselseitiger Unterstützung eine persönliche, moderne Marketing-Strategie aufbauen und erste Erfahrungen in den sozialen Medien sammeln, um sich neu aufzustellen für die Netzwerkgesellschaft. Wie unser Projektname suggeriert, bieten wir als Input ein tieferes Verständnis der Web 2.0-Welt, zeigen die Möglichkeiten videobasierter Kommunikation auf und stellen verschiedene Social-Marketing-Ansätze vor, die sich v.a. für freie oder kleine Unternehmer/innen eignen und auch spielerische Szenarien mitdenken. Darüberhinaus folgen wir keinem standardisierten Curriculum, sondern fördern flexible, individuelle Wege und begleiten die kollektive Intelligenz aller Beteiligten. So kann jedeR TeilnehmerIn eigene Schwerpunkte setzen und je nach Fokus das bereit gestellte Potenzial nutzen. Je heterogener sich die Gruppe zusammensetzt, desto bessere Ergebnisse sind zu erwarten. Insofern keine Scheu. Sollten Sie halbwegs interneterfahren sein (und das sind alle, die immer wieder im Netz arbeiten oder suchen), sind Sie herzlich willkommen. Wir freuen uns auf Sie!

Weitere Informationen

http://evideo.htw-berlin.de/weblog/evideo-20/

Popularity: 2% [?]


Tags: | | |

Verwandte Artikel:

About the Author

acw

acw

Kommentieren Sie doch ;-)

Sie können diese XHTML Tags nutzen.: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <blockquote cite=""> <code> <em> <strong>