ARG als didaktische Methode
Im letzten eVideo-Kurs beschäftigten wir uns bekanntlich mit Gaming 2.0. Da ich selbst klassischen Serious Games-Entwicklungen eher skeptisch gegenüber trete (da sie zumeist auf einem alten didaktischen Verständnis aufbauen), kristallisierte sich in unserem vorletzten Kurs zu Game based eVideo heraus, dass eventuell Alternate Reality Games (ARG) eine wirklich kluge Spielvariante sind, die für ernsthafte Kontexte gut nutzbar sind. So kam es, dass wir diese Spielform zum zentralen Thema in Gaming 2.0 machten. In Kooperation mit Patrick Möller – seines Zeichen ARG-Reporter und ARG-Konzepter bei vm-people – versuchten wir, zum einen die didaktischen Potenziale von ARGs herauszuarbeiten und zum anderen selbst ein ARG zu entwickeln.
Für Personen, die sich noch nie mit ARGs beschäftigt haben, zitiere ich hier aus unserem eVideo-Wiki:
Ein Alternate Reality Game (oder kurz: ARG) ist die interaktive Form einer Erzählung, bei der Realität und Fiktion miteinander verschmelzen und die Mitspielenden durch ihr Handeln zu Mit-Erzählern werden. Das ARG kann multimediale Möglichkeiten wie E-Mails, Webseiten, Chats, Telefone, Videos und mehr nutzen, so dass man zum Beispiel mit auftauchenden Figuren kommunizieren und sich mit ihnen zu einem Treffen verabreden kann. Gemeinsam gilt es, Aufgaben und Rätsel zu lösen, die sich im Verlaufe der Geschichte immer wieder ergeben.ARGs werden in der Regel als Marketinginstrument genutzt.
Die Frage wäre jetzt, ob mit dieser Methode nicht spannende Lernszenarien entwickelt werden können?!
Ergebnis des Gaming 2.0-Kurses zu dieser Frage: ARG als didaktische Methode
Im abstrakten Ergebnis setzten wir uns also das Ziel, eine methodische Anleitung für Lehrende bereitzustellen, wie sie selbst – ohne sich theoretisch mit dem Spielkonzept weiter auseinandersetzen zu müssen – ein ARG aufbauen können. Die hier verzeichnete Methode stellt also eine mögliche (!) Variante dar. Viele andere sind denkbar.
Im praxisorientierten Ergebnis entwickelte der Gaming 2.0-Kurs ein ARG für den nachfolgenden Marketing 2.0-Kurs. Ziel war es, die neuen Teilnehmer/innen im ersten Monat spielerisch in verschiedene Web 2.0-Tools und theoretischen Grundlagen des Marketings einzuführen. Zu diesem Zweck erarbeiteten wir kollaborativ eine Rahmenhandlung, in der ein angeblich ehemaliger eVideo-Kursteilnehmer – Sven Rotland – Unterstützung sucht für eine Kochshow, für die er eine Marketingstrategie zu erstellen wünschte zwecks Aufbau einer kleinen Social Media Agentur (SoMevent). Parallel liessen wir eine Journalistin – Nadin Wels – etwas Irritation verursachen, um Fragen des Urheberrechts, der Identität und der Social Media-Freundschaften zu diskutieren.
Ende letzter Woche lösten wir die Story langsam auf, u.a. mit Hinweisen in unser Wiki und auf den Personalausweis von unserem Protagonisten. Den Gesamtzusammenhang richtig realisiert hatten die wenigsten unseres aktuelles Kurses. Insofern erläuterte ich letzten Samstag in der Präsenzveranstaltung unsere Idee und Motivation. Im Großen und Ganzen kam die ARG-Geschichte recht gut an, auch wenn ich denke, dass die Rätsel etwas auf der Strecke blieben und es sich primär um ein Theaterstück im Hintergrund handelte (mit einigen interaktiven Potentialen). Angesichts der Fülle neuer Tools und Informationen bleibt den Kursstartern in der Regel wenig Zeit, sich inhaltlich einzuarbeiten. Aber dies erfolgt nun in Ruhe – ohne Spiel – ab dem zweiten Kursmonat – aufbauend auf den kollaborativ erarbeiteten Ergebnissenen für die Kochshow-Marketingstrategie.
Und als Erfahrungswert meiner Spielleitung muss ich sagen: Es ist eine aufwändige Methode, die viel Spass bereitet und einem erneut vor Augen führt, wie schnell man sich eine eigene virtuelle Identität im Netz zulegen kann. Sowohl Sven als auch Nadin leben – auf ihre Art. Sie haben Freundschaften geschlossen, Vorlieben entwickelt, Vernetzungen vollzogen – alleine diese Erfahrung möchte ich nicht missen.
Ach so: Wie der Zufall es will, besucht uns heute Abend Patrick Möller im Virtual Classroom, um über ARGs als Marketinginstrument zu berichten. Ja, so ist das …
Popularity: 4% [?]
Tags: didaktik | games | methode | serious

Bin schon sehr gespannt auf die Ergebnisse und hoffe, dass diese auch auf Schüler im Sekundarbereich 2 anwendbar sein werden!
Was mich interessieren würde, ich teile übrigens Ihre Bedenken gegenüber klassischen Serious gamebased Learning, auf welchem “alten didaktischen Verständnis” diese Ihrer Meinung nach beruhen.
Viel Erfolg
Karl Piaty
Wir haben auf unserer Wiki-Seite eine Beschreibung der didaktischen Methode vorgenommen – diese müsste auch für Schulklassen anwendbar sein.
Alte didaktische Methode: Ich bin bekanntlich kein Fan von Instructional-Design-Ansätzen – und Serious Games bauen zumeist auf diesem Verständnis auf. Die Entwickler/innen wollen einen bestimmten inhaltlichen Stoff spielerisch vermitteln. Aber die didaktische Bemühung schimmert immer vordergründig durch, so dass keine spielerische Immersion möglich ist.
Hingegen enthalten bekannte Casual Games oder MMORPGs etc. durchaus pädagogisches Potenzial. Sowohl in World of Warcraft als auch Counterstrike können dank ihrer vordergründig spielerischen Interaktion einige soziale Komponenten für das spätere oder aktuelle Leben gelernt werden.
Insofern können Games m.E. durchaus pädagogisch begleitet werden. Welchen Beitrag richtig gute Serious Games liefern können, ist mir selbst noch unklar.
Gruss, acw