Bitte verlinken!
Okay, dann weise ich auch noch über diesen Weg auf das sehr aufschlussreiche Gespräch von Matthias Döpfner, seines Zeichens Chef des traditionellen Axel-Springer-Verlages und Arianna Huffington, Herausgeberin der revolutionären Huffington Post, auf dem Monaco Media Forum letzte Woche hin.
Je länger ich über Hern Döpfner’s Argumentation nachdenke, desto verzerrter will sie mir erscheinen. Grundsätzlich möchte er guten Journalismus in einem rechtlich sicheren Rahmen anbieten. Zwischen den Zeilen suggeriert er dabei konsequent, die aktuellen Web 2.0-Entwicklungen unterliefen diesen, seines Erachtens ehrenwerten, Anspruch. Man muss ihm zugute halten: Er versucht gar nicht erst, die Bild-Zeitung in die Nähe eines Qualitätsjournalismus zu rücken. Aber er sagt, die treibenden Content-Kriterien seien Sex, Crime & Sports – und für solche Inhalte würden die Menschen auch gerne weiter zahlen. Und völlig unrechtens sei es, auf diesen Content zu verlinken oder diesen zu zitieren, um über diesen Weg ein Geschäftsmodell aufzubauen, das die Content-Anbieter nicht an ihrem Geschäftsmodell partizipieren liesse.
So, und hier liegt m.E. der Hase begraben: Lassen denn Verlage die eigentlichen Content-Produzent/innen an ihren Gewinnen beteiligen? Ich meine nicht die Geschichtenerzähler/innen, sondern die originären treibenden Kräfte – um in Döpfner’s Argumentationskette zu verbleiben: die Affären-Beteiligten, die Diebe, die Opfer und die SportlerInnen. Gut, am ehesten noch die SportlerInnen und sonstige Celebrity-Sternchen – sie verdienen durch ihren Marktwert. Aber was ist mit den DarstellerInnen und ZuschauerInnen eines Provinz-Theaterstückes? “Frenetischer Beifall” setzt ein Publikum voraus – wenn ich klatsche und eine Zeitung berichtet darüber, werde ich daran beteiligt? Wenn in Afghanistan eine zivile Person getötet und dieser “bedauerliche Vorfall” in hiesigen Medien rezipiert wird – verdienen etwa die Kriegsopfer an diesem Geschäft? Zugespitzt könnten wir jetzt sagen, Herrn Döpfners Potsdamer Villa baut auf Sex, Crime und Sports auf – wohl wissend, dass kein rechtliches Bezugssystem existiert, das diesen originären Content-ProduzentInnen ihren legitimen Eigenanteil zuspricht.
Aber Herr Döpfner möchte beteiligt werden, wenn Google News (und darum geht es ja gerade) auf seine Bild-Zeitung verlinkt und ihm über diesen Weg unzählige Leser/innen der Online-Ausgabe zuspielt, für die er dann wiederum Anzeigenerlöse erzielen kann. Schon merkwürdig, diese Welt …
Was, bittschön, unterscheidet ein Zitat der Straße von einem Zitat in einem Qualitätsjournalismus-Beitrag? Kann mich bitte mal jemand aufklären! Sowieso bauen aktuelle Geschäftsmodelle auf trendigen Zeitgeist-Modellen auf, für die die kollektiven ProduzentInnen nicht bezahlt werden. Außer in Open-Content-Modellen – dort fliesst das Re-Arrangement von originären Inhalten zurück an die Gesellschaft. Ob das nun netzkommunistisch sei, wie Herr Döpfner meint, oder nicht – ist nicht die Frage. Vielmehr sollten wir uns alle mit innovativen Geschäftsmodellen beschäftigen als diese rückwärtsgewandten Diskussionen zu führen, die lediglich auf der begründeten Sorge einiger alter Key-Player beruhen, ihre lukrativen Einnahmequellen davonsegeln zu sehen.
Im übrigen verzichte ich fortan auf Verlinkungen zu klassischen Medienverlagshäusern, da man heutzutage Angst haben muss, einen Mahnbescheid für unerlaubtes Verlinken zu erhalten. Hingegen bewundere ich Arianna Huffington’s souveräne Haltung in diesem Gespräch – ich könnte nicht annähernd so ruhig bleiben bei diesen kruden und teilweise höchst herrischen Gedankengängen. Ihr Argument ist natürlich weit schlagkräftiger als meine einfache Sichtweise: Die Huffington Post erhält täglich hunderte Anfragen von konventionellen Medien, bitte auf sie zu verlinken. Süffisanter kann man die Döpfner’sche Sicht nicht unterlaufen
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