Der Wert kultureller Arbeit

Heute besuchte ich eine Session namens Price and Value of Cultural Work auf der Transmedialen 2010. Die Diskussion setzte einige Assoziationen in mir frei, die ich soeben für mich notierte und jetzt einfach kurz blogge:

Die Moderne, wie wir sie kennen, wurde während der Aufklärung im 18. Jahrhundert vom Bürgertum vorangetrieben, um ihr Eigentum zu schützen. Alle verfassungsrechtlichen Werte und Normen lassen sich seitdem vom Eigentum herleiten. Insofern war es nur konsequent, die Werte der Kulturarbeit mit dem Recht auf geistiges Eigentum zu versehen, um die Materialisierung dieser Leistungen durch das Bürgertum zu honorieren.

Nicht ausreichend, das beweisen hinlänglich viele Kulturschaffende bei ihren “Kellnerjobs”. Aber neben dem Produkt der künstlerischen Arbeit fallen weitere immaterielle Werte an, die diese Arbeit aus Sicht der Schaffenden entgelten. Informationsaustausch, Beziehungen, Netzwerkarbeit, Spass sind positive Begleiterscheinungen eines kulturellen Schaffensprozesses, die sich in der Tauschgesellschaft nur indirekt auszahlen.

Was wir also konstatieren können, ist eine gravierende Schere zwischen immateriellen Werten einer free culture-Bewegung (->) einerseits und dem materiellen Wert des verkauften Kunstprodukts für das Bürgertum andererseits, das damit einen virtuellen Kunstmarkt generiert. Wenn man sich diese Absurdität vor Augen führt, können die zusätzlich geschaffenen kulturellen Werte und Normen des eigentlichen Kulturmarktes eigentlich nur über ein Grundeinkommen vergütet werden. Schließlich kennzeichnen die sich in der Kulturarbeit entfaltende Kreativität, die Kritik und Formen der Zusammenarbeit, auf deren Codes hochkapitalistsiche Firmen aufsetzen (siehe Einsatz von Open Source), unsere Gesellschaft massiv.

Insofern muss die moderne Grundlage, über die sich unsere Gesellschaft definiert, in dieser Perspektive grundsätzlich hinterfragt werden. Nicht mehr das individuelle Eigentumsrecht kann Maßstab unseres Gesellschaftsvertrages sein, sondern ein kollektiver Diskurs, der die Gewinne der Unternehmen, die massiv auf dem Zeitgeist und freien Kulturleistungen aufbauen, auch an die eigentlichen (Kultur-)Produzent/innen zurückführt. Der Markt regelt diesen Rückfluss leider überhaupt nicht mehr. Und angesichts der Attraktivität und erwiesenen Überlegenheit der kollektiven Intelligenz muss dieser Diskurs meines Erachtens konsequenter geführt werden als bisher.

Wie wollen wir leben? Indem sinnentleerte Autofeatures als kulturelle Leistungen betrachtet werden, absurde Hochhäuser als Ausdruck einer Postmoderne gelten und protzige Großprojekte als symbolischer Standortfaktor für die kreative Klasse dienen sollen? Oder wünschen wir kluge, ausbalancierte, sinnvolle Lösungen für die Probleme unserer Zeit? Ich denke, es ist an der Zeit, ernsthaft darüber nachzudenken.

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