Der hoffnungslose Kampf der Digital Visitors
Peter Kruse, seines Zeichens wissenschaftlich fundierter Psychologe, politischer Berater und innovativer Netzwerkforscher, hielt am heutigen Nachmittag einen fulminanten Vortrag auf der re:publica 10.
Zentraler Kern seiner Thesen:
Die Bevölkerung spaltet sich im Kulturraum Internet in 2 klar unterscheidbare Großgruppen: den Digital Residents stehen die Digital Visitors gegenüber, die unterschiedliche Wertmaßstäbe anlegen, wobei beide Gruppen von ihrer Altersstruktur her über die gesamte Gesellschaft verteilt sind. Während die Residents ihre Werte im Onlineleben zu verwirklichen suchen, spielen die Visitors lediglich mit den sozialen Werkzeugen, möchten aber eigentlich ihre alten Werte des Prä-Internet-Zeitalters nicht aufgeben. Aufgrund dieser unterschiedlichen Wertemuster kommt es zum Streit der beiden Fraktionen, der erbittert entlang vermeintlicher Fakten geführt wird, letztlich aber durch diese unbewussten Werte bestimmt ist. Kruse empfiehlt den Digital Visitors, sich aus dem Lauf der Internetdinge herauszuhalten und erst einmal abzuwarten, wohin die Reise geht. Denn beeinflussen können sie die die alten Machtverhältnisse umstürzenden Prozesse gleichwohl nicht, es sei denn, sie zögen den gesamten Netzwerkstecker. Und anstatt im Bundestag eine Internet-Expertengruppe einzuberufen, empfiehlt er der Politik, sich in das Leitmedium Internet hineinzubegeben und dort vor Ort das Netz verstehen zu lernen. Ansonsten würden sie von den sich aufschaukelnden Prozessen, die das Netzzeitalter bestimmen, vor sich her getrieben.
Alles in allem eine unglaublich gute Performance, die Kruse hier abgab – nahezu stehende Ovationen waren ihm im großen Friedrichstadt-Palast gewiss.
Update 15.04.2010
Hier eine vorläufige Aufzeichnung des Vortrages – leider ohne die beeindruckenden, interaktiven Folien und etwas dumpfen Ton. Sobald die re:publica-Aufzeichnung vorliegt, werde ich diese hier einbinden. Eine halbe Stunde, die sich lohnt:
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Tags: kultur | politik | research | social media

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