Die neue alte Bildungsungleichheit

Angesichts des recht engstirnigen Programms des taz-Labors Bildung möchte ich auf eine wunderbare Dissertation aus dem Jahre 2001 von Sangchin Chun an der Uni Bielefeld (Fakultät für Soziologie) hinweisen, die sich dem Thema „Bildungsungleichheit – eine vergleichende Studie von Strukturen, Prozesse und Auswirkungen im Ländervergleich Südkorea und Deutschland“ (PDF) widmet.

Darin untersucht Chun entlang des Bourdieu’schen Begriffs des kulturellen Kapitals, wie sich die Reproduktion der dort herrschenden Eliten von der in Frankreich (seinerzeit von Bourdieu untersucht) unterscheidet.

Eine wirklich sehr lesenswerte Arbeit, aus der an dieser Stelle 2 Absätze zitiert sein sollen:

“Die kulturelle Reproduktion der Oberschichten erweist sich nicht etwa deswegen als erfolgreich, weil sie willkürlich im eigenen Interesse die Bildungsanstalt zu manipulieren vermögen, indem sie beispielsweise ihre eigene Kultur dem Bildungssystem aufoktroyieren oder durch Bildungsgebühren den Eintritt anderer sozialer Gruppen in ‚ihre‘ Bildungsstätte blockieren. Sie gelingt auch nicht deswegen, weil in der Bildungsanstalt die Leistungen und Begabungen ihrer Kinder denen anderer per se überlegen sind. Die kulturelle Reproduktion ihrer Spitzenpositionen in der Schichthierarchie gelingt vielmehr, weil die Elite sich selbst jeglicher Veränderung der Schule und des Bildungssystems anzupassen vermag. Darin liegt das „Geheimnis“, das erklärt, wie die (Hoch-)Schule zur sozialen Reproduktion und zur Legitimation der gesellschaftlichen Ungleichheit in beiden Ländern beiträgt, ohne ihre Autonomie und Neutralität preiszugeben.” (S. 200f.)

“Daraus ergibt sich folgende Erkenntnis: Sämtliche politische Bemühungen um eine Verminderung sozialer Ungleichheit im Bildungswesen, die sich ausschließlich auf bildungspolitische Maßnahmen beschränken, kommen nicht an ihr Ziel, wenn sie nicht den Vorsprung der etablierten sozialen Schichten im Bildungswettbewerb thematisieren. Die Basis dieses Vorsprungs liegt eher in gesellschaftlichen Bereichen (einschließlich der symbolischen Ebene), die sich nicht auf das Bildungssystem im engeren Sinne beziehen.” (S. 201)

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Eine Antwort to “Die neue alte Bildungsungleichheit”

  1. [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von anja c. wagner erwähnt. anja c. wagner sagte: Mein einziger, kurzer Beitrag zum heutigen #tazlab: Die neue alte Bildungsungleichheit http://is.gd/bFTPl [...]

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