Design 2.0 – der neue eVideo-Kurs
Oh mein armer eduFutureBlog – so vernachlässigt in letzter Zeit … sorry about that!
Einfach zuviel um die Ohren derzeit. Hoffe, mich nächstes Jahr wieder zu bessern. Bis dahin werde ich hier wohl nur wichtige Ankündigungen aus meinen Projekten hineinkopieren.
So wie dieser Beitrag, den ich zur Erläuterung unseres nächsten eVideo-Kurses im eVideo-Blog formuliert hatte ….
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Design 2.0 – Arbeiten in vernetzten Zusammenhängen
Im Wintersemester 2010/11 widmen wir uns im neuen eVideo-Kurs dem Thema Design 2.0 – Arbeiten in vernetzten Zusammenhängen. Während mancherorts das “2.0″ den 00er-Jahren zugeordnet und gerne durch “Social Something” ersetzt wird, halten wir weiterhin an “2.0″ fest. Warum? Weil für uns dieser Begriff nicht nur einen medialen Wandel kennzeichnet, sondern dieser Begriff für einen radikalen Gesellschafts- und Kulturumbruch steht. Dieser Change Mangement-Prozess umfasst nicht nur die Personen, die sich den ganz neuen Medien zuwenden, sondern er verändert die Spielregeln der gesamten Welt – gleichgültig, ob sich CIA, FBI, staatliche Institutionen oder tradierte Expert/innen-Kreise dagegen aussprechen oder nicht. Die vernetzten (Sozial-)Technologien treiben die Entwicklung einfach voran – in eine neue Dimension, in der sie den herrschenden Eliten in Politik, Wirtschaft, Kultur mitunter unkontrollierbar begegnen.
Design erfüllt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, denn die Attraktivität dieses sozio-kulturellen Umbruchs resultiert aus verschiedenen Entwicklungen: Neben der Faszination an den technologischen Möglichkeiten – mitsamt den ihr innewohnenden, modernen Freiheitsgraden – spielen konsequente Benutzerführungen und neue Einstellungen hinsichtlich der Bedeutung der User Experience eine wesentliche Rolle. Außerdem hat Apple spätestens mit seinem iPhone- und iPad-Hype die Bedeutung des gestylten Gadgets als Repräsentation eines modernen Lifestyles dokumentiert – und damit die Design-Glocken zum Klingen gebracht:
Die Bedeutung von Design scheint schier unaufhaltsam voranzuschreiten – manche sprechen gar von einer Designgesellschaft, die unsere Gesamtgesellschaft durchzogen habe. Letztlich ist heute alles Design: Von Food-Design über Coffee-Table-Books bis hin zum politischen Stil-Design. Der Design-Begriff suggeriert, einen Plan für das Endergebnis zu haben, es ge-stalten zu können, ihm Zeichen mitzugeben. Denn Design leitet sich sprachgeschichtlich vom Disegno-Begriff der Renaissance her. Dort bezeichnete “Disegno” den Entwurf, die Zeichnung, die einer Arbeit zugrunde liegende Idee oder den Plan. Mit Design weist man den Weg und kommuniziert in klassischer Form: Hier Kommunikator, dort Rezipient. Und als Kommunikator kommuniziert man eine Message, die vom Rezipienten möglichst originalgetreu aufgenommen und wiederzugeben ist. Diese traditionelle Form der Kommunikation begegnet uns noch allüberall: In künstlich reduzierten Nutzungsmöglichkeiten von Mobilfunk-Verträgen oder Musik-Nutzungsarten über gestylte Nachrichten bis hin zu multimedialen Web-based-Trainings, die einem Multiple-Choice-Test entgegen geführt werden. Design im weitesten Sinne sucht Lösungen für Probleme potenzieller Rezipienten, indem sie die Menschen grob zu Focusgruppen zusammenrafft und die Angebote diesen unterschiedlichen Zielgruppen komfortabel anpasst. Die konstruierte Designgesellschaft, so wie sie sich heute darstellt, wurde entwickelt von fachkompetenten Expert/innen für einen Kaufhaus-Markt, in dem die Menschen ihrem kollektiven Konsumbedürfnis als individueller Flaneur nachkommen.
Nun können wir tagtäglich in den Nachrichten verfolgen, wie das zu Beginn der Industriegesellschaft aufgekommene Kaufhaus-Konzept langsam in sich zusammenfällt, da sich Angebote kaum noch an Zielgruppen orientieren können, sondern vielmehr für individuelle Anpassungen optimiert werden müssen. Die Angebotspalette fächert sich entsprechend des Long Tails auf – und das Kreativ-Prekariat hält Einzug. Design wird bezahlbar, auch für einzelne kleine Nachfrager/innen überall in der Welt – seien es Einzelpersonen oder kleine Unternehmen.

Und Design löst sich von dem genialen Entwurf eines Einzelnen oder eines Teams zu einer konzeptionellen Matrix, die individuell an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden kann. Heute lassen sich vielleicht noch Komponentensysteme ge-stalten, mit größtmöglicher Flexibilität à la IKEA. Aber lassen sich seitens der vielseitigen Designer/innen neue Kombinationen entwickeln, die bestimmte Werte transportieren, die nicht in der Trägergesellschaft repräsentiert sind? Kann Design wirklich innovativ die Welt grundlegend ge-stalten, wie Edward de Bono in einem brand eins-Interview suggeriert? Oder ist Design nicht immer Medium der sie umgebenden Kultur? Sollten wir der letzten Frage zustimmen: In welcher Kultur agiert Design?
Folgen wir Manuell Castells, so ist unsere heutige Kultur zentral geprägt durch die Netzwerkgesellschaft. Demnach gestaltet nicht das Design unsere Gesellschaft, sondern die Netztechnologien mit ihren induzierenden Aktivitäten bestimmen den Rhythmus von Identität und Macht, Entwicklung und Gegenmacht. Beeinflussen kann man dieses (digitalisierte) Netzwerk nur noch dann, wenn man sich in das Netzwerk aktiv einbindet. Nur als Netzwerkknoten vermag man ggf. die tangierten Netzwerke mitzugestalten. Der Experte als solcher geht auf in der kollektiven Intelligenz aktiver Netzwerkknoten.
Und dabei ist nicht die aktive Arbeit in Facebook gemeint, das sich sukzessive als neuer Mant(r)a einer oberflächlich vernetzten Welt darstellt. Wir sprechen vom wahren Netz hinter dieser glatt designten Beschaulichkeit, die altem Denken entspricht und suggeriert, man arbeite am Design der eigenen Identität. Dabei generieren unsere allgegenwärtigen Datenspuren auch außerhalb des Webs eine digitale Identität, die als Datenagglomerat die eigene Biographie unbewusst ge-staltet – und dies ohne irgendeinen zentralen Plan. Die Möglichkeit zur Ge-Staltung der eigenen Identität ist uns in der digitalen Welt längst abhanden gekommen. Man kann sich lediglich als qualitativer Netzwerkknoten einbringen und diesen Datenwust versuchen, subversiv zu unterlaufen.
Das Image, ein Bild, das man gerne von sich oder seinem Unternehmen in die Welt hinaus strahlt, scheint nicht mehr kontrollierbar. Der über einen lockeren Spruch demonstrierte Schein als Identität wird abgelöst vom tatsächlichen Daten-Sein der digitalen Identität. Blitzender Chrom und blanker Glanz wirken heute als Kennzeichen von altem 1.0-Denken – die Qualität eines Netzwerkknotens resultiert aus seinem aktiven Beitrag, nicht aus seiner Optik. Und dieser Trend lässt sich in der Welt des Web 2.0 erkennen: Der Schaum interessiert nicht mehr, wird suspekt, das Wesen muss erkennbar sein. Der Sinn für Ästhetik verändert sich. Nur wenn im reflexiven Rückblick die gemeinsame interaktive Gestaltung eines Produkts gegeben ist, reift dieses zur subjektiv wahrgenommenen Schönheit heran. Ein attraktives Produkt ist keiner elitär gestaltenden Kraft oder Marke zuzuordnen, sondern vermag lediglich als Netzwerkdesign Impulse zu setzen.
Insofern verändern sich die Arbeitsprozesse für Design: Ideen entstehen in Ideagoras oder Innovationen in so genannten Creation Spaces, die on- und offline verschmelzen und eine Collaboration Curve zulassen, die z.B. in einem komplexen, kollaborativen Produktdesign münden können. Die Wikinomics oder Socialnomics übernehmen das sozio-kulturelle Zepter.

Innovationen und Image leiten sich demnach von der aktiven Teilhabe in der Netzwerkgesellschaft ab – insofern kommt den Social Media eine wesentliche Rolle zu bei der Vermittlung der eigenen Web 2.0-Aktivitäten.
In diesem Kontext bewegt sich das neue Kurs-Design, mit dem wir uns bewußt an die kleinen Selbstständigen im weiten Design-Umfeld richten.
- Wir werden versuchen zu systematisieren, welche globalen Ideen-, Projekt- und Jobbörsen die aktuellen Outsourcing-Prozesse begleiten.
- Wir werden einen Weg zum Aufbau einer Netzwerkidentität weisen, um ein modernes Image für die persönlich relevanten Netzwerke aufzubauen.
- Wir werden aufzeigen, wie qualitativer Input als Kennzeichen von aktueller Kompetenz ausschauen kann.
- Wir werden gemeinsam untersuchen, welche kollaborativen Ideen- und Produktionstechniken hilfreich sind, um auch in großen Projekten vernetzt arbeiten zu können.
- Wir werden kollektiv Indizien für den Wandel der Design-Kultur sammeln und diese kollaborativ auswerten.
Dieses alles und noch viel mehr, soll Gegenstand von “Design 2.0 – Arbeiten in vernetzten Zusammenhängen” sein. Die Eckdaten mitsamt Anmelde-Link sind allesamt auf der Kursseite notiert. Bis zum 30. September kann man sich anmelden – der Kostenfaktor in Höhe von 50 Euro sollte keine Hemmschwelle darstellen. Und wer sich bereits warmlesen möchte, dem haben wir eine kleine Info-Tapete zu Design 2.0 zusammengestellt.
Wir freuen uns auf alle Berliner Interessierten!!
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Tags: design | kultur | social media


Hier ein Buchtipp zum Thema:
@Design
Ästhetik, Kommunikation, Interaktion
Reihe: X.media.press, Breidenich, Christof
Kommunikation mit und in den Medien, Weblogs und Communities formieren sich gegenwärtig zu Leitmedien unserer vernetzten Gesellschaft. Digitales Publizieren im Internet erweitert unsere Kultur hinsichtlich der Notwendigkeit eines Designs von allen für alle. Der Autor zeigt die Relevanz von Gestaltung für digitale Publikationen. Verständlichkeit und Handhabung von interaktiven Medien wird erst durch Gestaltung möglich. Kommunikationsdesign nimmt die herausragende Stellung in konvergenten Medien ein. Theoretische Grundlagen und Hintergrundwissen dienen mit Hinweisen und Beispielen aus der Medientheorie, Kunstwissenschaft und Grundlagen der Gestaltung als ausführliche Fundierung für das Verstehen von Gestaltung in interaktiven Medien. Zum Verständnis dieses Buches sind keine wissenschaftlichen Kenntnisse erforderlich. Anschauliche Beispiele illustrieren die Kernaussagen. Eigene Publikationen im Internet zu veröffentlichen wird durch das fast komplette Wegfallen der technischen Hürden fast jedem möglich. Jeder wird Designer, wenn er versteht, wie Kommunikation in interaktiven Medien funktioniert.